Presse
24.10.11
BILD.DE

DEUTSCHER ARZT WILL DEN ERDBEBEN-OPFERN HELFEN

DEUTSCHER ARZT WILL DEN ERDBEBEN-OPFERN HELFEN

Helfer in Rot: Das deutsche „Humedica“-Team: Prof. Domres (2. v. li.) und seine drei Kollegen. Dahinter die BILD.de-Kollegen, rechts die Flugzeug-Besatzung

 

 

 

Von CLAAS WEINMANN und HANNES RAVIC

Memmingen/Van – Rund 24 Stunden nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei (Stärke 7,2) sind bislang 272 Tote geborgen worden. Die türkischen Behörden haben rund 1200 Helfer geschickt. Besonders betroffen: die Stadt Ercis.


Während noch Dutzende Verschüttete unter den Trümmern vermutet werden, konnten am Montag dort fünf Menschen lebend geborgen werden.

Auch aus Deutschland kommt jetzt Hilfe: Am Montagmorgen startete eine Maschine mit einem Hilfsteam von „Humedica“ ins Katastrophengebiet. Mit an Bord: 300 kg Medikamente und Infusionen: Genug, um die Grundversorgung von 3000 Menschen über zwei Wochen zu gewährleisten!

Zum Team gehören: der erfahrene Katastrophenmediziner Prof. Dr. Bernd Domres (Tübingen), ein Krankenpfleger und zwei Koordinatoren. Die BILD.de-Reporter Claas Weinman und Hannes Ravic werden sie bei ihrem Einsatz begleiten.

Nach der Landung am Nachmittag schickten die Helfer gleich eine Ration Medikamente und Infusionen in ein Krankenhaus – per Krankenwagen direkt vom Flughafen Van.

Nach Absprache mit den türkischen Behörden ist klar: Das Team fährt noch am frühen Abend nach Ercis.

Die Nacht dort werden die Helfer in Zelten verbringen – aus Angst vor Nachbeben.

„Dieses Beben gehört zu den schlimmsten Erdbeben, die es je in der Osttürkei gab“, sagt Prof. Domres. „Wir gehen dahin, wo wir am nötigsten gebraucht werden.“ Der 73-Jährige ist ein erfahrener Experte, seit 1975 immer da, wenn Menschen nach Katastrophen in Not sind.

Die Zeit drängt für die Verletzten, die noch unter den Trümmern liegen. „Viele sind durch herabstürzende Gegenstände schwer verletzt worden, Arme oder Beine sind eingeklemmt, manche haben Schnittwunden von Fensterscheiben“, sagt Dr. Domres. „Manche können nicht richtig atmen, weil Gesteinsbrocken auf ihnen liegen, durch den Druck kann auch die Muskulatur absterben.“

Wie kann ihnen geholfen werden?

„Die Erstversorgung ist wichtig. Schaffen es die Helfer, an ein frei liegendes Körperteil zu kommen, wird sofort eine Infusion gelegt. Wichtig ist es, eventuellen Blutverlust auszugleichen, Nierenversagen zu verhindern und den Kreislauf zu stabilisieren.“